veröffentlicht am 14.11.2018

Eine erfolgreiche Sanierung braucht ein solides Fundament aus zuverlässigen Werten!

Oft drauf verzichtet, aber notwendig: Zuverlässige Wertermittlungen des be-weglichen Anlage- und Umlaufvermögens als eine Grundlage für Sanierung und Restrukturierung.

 
AUSGANGSLAGE

Wenn sich ein Unternehmen in finanzieller Schieflage befindet oder vor einer Restrukturierung, z. B. im Zuge einer Unternehmensnachfolge, steht, dann wird oft über unzählige Themen diskutiert. „Wo können wir Einsparungen vornehmen?“; „Können die Prozesse in der Produktion A eventuell an ein Subunternehmen vergeben werden?“; „Wie können wir neue Kapitalgeber von einer Investition überzeugen?“ ...

All die Themen, die ein Sanierungs- oder Restrukturierungsprozess mit sich bringt, sind wichtig, ja sogar essentiell! Doch wo fängt man bei einem solchen Projekt an?

 

STARTSCHUSS

Am Anfang steht immer die detaillierte Analyse des Unternehmens und somit ein komplizierter Prozess. Der Berater muss sich (vor allem in Krisenzeiten!) in kürzester Zeit mit seinem Team unter anderem komplexen Fragestellungen hinsichtlich der Bewertung des beweglichen Anlage- und Umlaufvermögens stellen. Denn diese bilden einen wichtigen Teil des Fundaments, das sich „Unternehmenswert“ nennt. Meist werden mithilfe des Anlagenspiegels die vorhandenen Buchwerte geprüft und diesbezüglich Rückschlüsse auf Werte von technischen Anlagen und Maschinen geschlossen. Steht dem Berater mehr Zeit zur Verfügung, finden oft Ertragswertverfahren und Deckungsbeitragsrechnungen Anwendung, welche teilweise Prognosen sind, wodurch die Erwartungen auf zukünftige Rentabilität z.B. bezüglich eines Unternehmensverkaufs Einklang in die Preisbildung finden.

Doch gerade hinsichtlich eines vorhandenen Maschinenparks können diese Werte nur wenig Aussagefähigkeit über die realen, tatsächlich am Markt gehandelten Werte widerspiegeln. Schlimmstenfalls besteht die Gefahr der Überpreisung.

 

Werte aus dem Unternehmen hinterfragen!

Neben den Anschaffungskosten und den Abschreibungsmodalitäten sollte das Berater-Team sich hierbei weiteren Fragen kritisch stellen:

  • Wie hoch ist der Wertverlust nach der Erst-Montage?
  • Wie ist die Wertentwicklung über einen bestimmten Zeitraum?
  • Wie wartungsintensiv sind die Maschinen?
  • Wie hoch ist die Abnutzung?
  • Wie hoch sind die Kosten für eine etwaige Demontage, Verbringung und einen Wiederaufbau?
  • Wurden Service-/Wartungsintervalle eingehalten?
  • Sind Schäden aufgetreten und wurden diese repariert?
  • Wie stellt sich die aktuelle Marktsituation für diese Maschinen dar (sind sie gefragt oder eher „Einhörner“ am Markt?)

 

All diese Faktoren haben Einfluss auf den tatsächlichen Wert der technischen Anlagen und Maschinen und sollten daher unbedingt mit berücksichtigt werden. Allein die Tatsache, dass Maschinen von Hersteller zu Hersteller und von Typ zu Typ erhebliche Unterschiede in Qualität, Verschleiß und Wartungsaufwand aufweisen, macht eine realistische Einschätzung unter Liquidations- und Fortführungsgesichtspunkten so schwierig und zugleich enorm wichtig.

 

Darüber hinaus leistet eine Bewertung unter Liquidationsgesichtspunkten einen entscheidenden Beitrag für das Risikomanagement. Hierdurch kann der Berater verlässlich planen, was tatsächlich im worst case verwertbar übrig bliebe, wenn die jeweiligen Strategien nicht greifen sollten. Zudem lassen sich notwendige Investitionen in die Betriebs- und Geschäftsausstattung für die Zukunft darstellen und kalkulieren.

 

Umgang mit Fremd- und Drittrechten

Allein im Jahr 2015 lagen die Investitionen im Mobilien-Leasing in Deutschland bei 51,9 Milliarden Euro. Dies entspricht einer Quote von über 23,3 %. Daher wird gerade in Restrukturierungs-/Sanierungsprozessen den Fremd- und Drittrechten signifikante Beachtung zugeschrieben. Aber auch hier bedeutet zum Beispiel eine aus der Buchhaltung ersichtliche Restleasingrate von bspw. 25.000,00 Euro nicht automatisch einen Maschinen-Restwert in gleicher Höhe. In einer Vielzahl von Fallkonstellationen können gerade im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen reale Wertermittlungen von großer Bedeutung sein. Werden Maschinen beispielsweise nicht mehr benötigt, der Leasingvertrag jedoch noch nicht ausgelaufen ist, können Leasingverträge oft durch Ablösezahlungen auch vorzeitig beendet werden. Eine anschließende, professionelle Verwertung der Anlagen kann somit nicht nur den Ablösebetrag ausgleichen, sondern oft sogar zu einem unerwarteten Zugewinn für das Unternehmen führen. In gleichem Zuge können auf diese Art stille Reserven identifiziert und marktgerecht bewertet werden, wodurch diese kalkulierbar für Verkaufsverhandlungen genutzt werden können.

 

Einfluss auf den Sanierungsprozess

Zuverlässige Werte geben Sicherheit im Sanierungsprozess und können bei Restrukturierungsmaßnahmen von enormer Bedeutung sein. In all den möglichen Fallkonstellationen – von Turnaround über Mergers & Acquisition bis hin zur Unternehmenskrise oder –nachfolge – liefern Wertermittlungen der unternehmerischen Assets ein starkes Fundament für den kompletten Unternehmenswert und infolge dessen auch für Kaufpreisverhandlungen und (neues) Vertrauen seitens der Investoren, Kreditinstitute sowie potenzielle Käufer.

 

Bildnachweis: (© Robert Kneschke – stock.adobe.com)

Autor: André Beck



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