veröffentlicht am 07.03.2019

GmbH verkaufen – Vermeiden Sie diese vier Fehler!

Mit der Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) existiert in Deutschland eine seit Jahrzehnten bewährte Gesellschaftsform, die für Unternehmen jeder Größe einen verlässlichen Rechtsrahmen bietet und mit relativ geringen Hürden vor der persönlichen Haftung schützt. Insbesondere gibt es die Möglichkeit, eine klare Trennung von Privat- und Geschäftsvermögen zu schaffen, ein professionelles Auftreten im Geschäftsverkehr zu erreichen und vor allem Gewinne im Unternehmen zu belassen, um durch steuerliche Vorteile die Wachstumsfähigkeit der Gesellschaft zu fördern.

Wenn es jedoch darum geht, eine GmbH zu verkaufen oder Anteile davon zu verkaufen, sollten Gesellschafter einige Grundregeln beachten, die insbesondere den Verfahrensablauf sowie die Rechtsfolgen betreffen
– HÄMMERLE gibt Ihnen an dieser Stelle vier sichere Tipps für die Praxis, um Ihre GmbH zu verkaufen.

 

Tipp Nr. 1, wenn Sie Ihre GmbH verkaufen: Unternehmenswert durch einen versierten Dritten taxieren lassen

Viele Gesellschaften werden als Ein-Personen-GmbH geführt, durch Handwerker ohne besondere betriebswirtschaftliche Kenntnisse oder schlichtweg durch innovative Unternehmer, die Forschungsarbeit betreiben und wo der wirtschaftliche Erfolg keine Rückschlüsse zur Tragfähigkeit des Unternehmens zulässt. Kurzum: In den meisten Fällen fehlt ein solides Verständnis darüber, wie hoch der Unternehmenswert tatsächlich ist und wie viel erzielt werden kann, wenn es darum geht, die GmbH zu verkaufen.

Faktoren, die auf den Unternehmenswert Einfluss nehmen: Gewinn des Unternehmens (EBIT), Eigenkapitalquote, Anlagevermögen, Forderungen, Vorräte, Umsatz sowie personelle Ressourcen (insbesondere in Form der Geschäftsführung, die sich durch spezifische Branchenkenntnisse, Know-how und Kontakte auszeichnet).

Wenn es darum geht, Ihre GmbH zu verkaufen, sollten Sie Ihren Steuerberater (StB) oder einen Wirtschaftsprüfer (WP) mit einer Analyse der wichtigsten Kennzahlen beauftragen. Vergleichen Sie aber auch selbst die Werte der vergangenen Jahre und schätzen Sie Ihren eigenen Anteil konsequent ein, wenn Sie im Unternehmen selbst tätig sind. Langfristige Investitionen müssen dabei ausreichend berücksichtigt werden.

 

Tipp Nr. 2, wenn Sie Ihre GmbH verkaufen: Vorkaufsrechte müssen beachtet werden

Typischerweise finden sich im Gesellschaftsvertrag Klauseln dazu, ob und inwiefern andere Gesellschafter ein Vorkaufsrecht bei geplanter Übertragung von GmbH-Anteilen geltend machen können. Die Übertragung als solche muss notariell beurkundet werden (§ 15 Abs. 3 GmbHG). Wenn Sie Ihren gesamten GmbH-Anteil verkaufen möchten, dann kann dies ohne Einschränkungen erfolgen (§ 15 GmbHG) – soll hingegen lediglich ein Teil Ihres GmbH-Anteils verkauft werden, so ist dieses Rechtsgeschäft zustimmungspflichtig (vgl. § 17 GmbHG). Der Gesellschaftsvertrag regelt, ob von diesem Zustimmungsvorbehalt der Gesellschaft abgewichen werden kann (vgl. § 15 Abs. 4 GmbHG).

 

Tipp Nr. 3: Persönliche Haftungsrisiken identifizieren, bevor Sie Ihre GmbH verkaufen

Das Konstrukt der GmbH führt zu einer hohen personellen Verkettung, was bedeutet, dass Gesellschafter einen wesentlichen Einfluss auf die Geschicke der Gesellschaft nehmen. Wenn Sie nicht bloß Gesellschafter, sondern auch Geschäftsführer der Gesellschaft sind, so müssen Sie, wenn Sie Ihre GmbH-Anteile verkaufen, wesentliche Aspekte berücksichtigen. Gemäß § 13 GmbHG können sich Gesellschafter-Geschäftsführer nicht auf die Haftungsbeschränkung berufen, wenn sie wegen einer Vernachlässigung ihrer Geschäftsführerpflichten persönlich belangt werden. Das betrifft eine vorsätzliche Rechtsverletzung (§ 823 BGB), ein Vergehen im Zuge der Insolvenzantragspflicht (§ 15a InsO), bei Gläubigerbegünstigung (§ 283c StGB) sowie einer Reihe weiterer Vergehen – dies in Bezug auf die Haftung gegenüber Dritten.

Vielfach gibt es interne Zuständigkeitsbereiche, die jedoch den „Grundsatz der Gesamtzuständigkeit aller Geschäftsführer“ nicht aufheben. Das bedeutet, dass jeder Geschäftsführer als Organträger die „Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes anwenden“ muss (vgl. § 43 Abs. 1 GmbHG). Damit Sie, nachdemSie Ihre GmbH-Anteile verkauft haben, nicht zivilrechtlich für vergangene Tätigkeiten in Regress genommen werden, empfiehlt sich immer eine juristische Beratung durch einen Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht.

 

Tipp Nr. 4: GmbH-Anteile verkaufen und richtig besteuern

Wenn Sie mindestens ein Prozent der Anteile halten und planen, die Beteiligung Ihrer GmbH zu verkaufen, ist der sog. Verkaufsgewinn zu versteuern. Der Gesetzgeber spricht von einer wesentlichen Beteiligung. Es werden grundsätzlich die letzten fünf Jahre betrachtet, dabei kann der Anteil auch zeitweise unter ein Prozent gelegen haben. Entscheidend ist nur, dass Sie zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit einen derartig „wesentlichen“ Anteil besessen haben. Grundsätzlich gibt es Freibeträge, wonach nur 60 Prozent des Verkaufsgewinns Anrechnung finden, während 40 Prozent steuerfrei bleiben.

Wenn Sie Ihre GmbH verkaufen, sollten Sie sich durch Ihren Steuerberater beraten lassen, Szenarien durchspielen und die mögliche Steuerbelastung einkalkulieren. So erhalten Sie einen realistischen Überblick über die letztliche Werthaltigkeit des Vorgangs und können Ihre GmbH so verkaufen, dass es Ihrem Einsatz entspricht. Es gibt Unterschiede zwischen Innen- und Außenverhältnis, insbesondere mit Bezug zur Beschlussfassung sowie einen möglichen Gewinnverwendungsbeschluss.

Tipp: Bei unterjährigen GmbH-Anteilsverkäufen entsteht ein schuldrechtlicher Anspruch gegenüber dem Käufer, um Ihren anteiligen Gewinn zu beziffern und nachträglich auszuschütten.

 

Bildnachweis: (© andyller – stock.adobe.com)

Autor: HÄMMERLE



 Zurück zur Übersicht